3 Ein Thema für den altersdurchmischten Unterricht

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Englisch; übertragbar auf Französisch und Deutsch
Autor Michael Wirrer, basierend auf einer Idee von Silvia Frank

Gemeinsame Sequenzen – individuelle Phasen

An der Primarschule Stans (NW) wird neben vielen anderen Fächern auch Englisch in altersdurchmischten Lerngruppen (AdL) unterrichtet, nachdem Silvia Frank dort diese Unterrichtsform seit 2008 in mehreren parallelen Klassen erfolgreich pilotiert hat.

Alle Lernenden einer gemischten Klasse (z. B. 5. und 6. Jahr der obligatorischen Schule) arbeiten jeweils mit demselben Band des Englischlehrmittels (Young World). Die Lehrperson adaptiert ein Kapitel (unit) des Lehrmittels der oberen respektive unteren Stufe, um so das Lernen an einem gemeinsamen Thema auf sprachlich verschiedenen Niveaus zu ermöglichen. Zusätzlich werden während der ersten drei bis vier Wochen des Schuljahres als Vorkapitel sprachliche Grundlagen für die Kinder des 5. Jahrs im Bereich der Unterrichtssprache (z. B. im Bereich Farben, Zahlen sowie Objekte im Klassenzimmer) gelegt, während sich die Kinder des 6. Jahrs mit dem ABC, Wendungen für die Klassenkommunikation (classroom phrases) und den Zahlen bis 100 auseinandersetzen.

Der Unterricht beinhaltet sowohl gemeinsame Sequenzen (z. B. den Einstieg in das Thema oder in eine Lektion) als auch individualisierte Phasen, in welchen die Kinder aus verschiedenen Lernaktivitäten auswählen respektive an ihren «Projektaufgaben» (project tasks) arbeiten – d. h. an «einer längeren Aufgabe, die viel Raum für Individualisierung bietet und bei der ein Arbeitsergebnis im Vordergrund steht» (Frank Schmid, 2014, S. 15).

Lernlandkarten als Hilfe zur Selbstbeurteilung

Silvia Frank führt aus: Wenn wir zum Beispiel an der «Unit 1 You and me» aus Young World 1 arbeiten und uns den Hörtext von Kindern aus englischsprachigen Ländern anhören, stelle ich jeweils weiterführende Fragen, damit sprachlich starke Kinder mehr auf Details achten. Anschliessend arbeiten alle Kinder an selbsterklärenden Aufgaben im Arbeitsbuch (activity book) oder wählen Aufgaben vom Aufgabenplan (activity plan) aus. Den Lernwortschatz reichere ich in diesem Kapitel mit weiteren Wörtern rund um die Themen Haustiere und Hobbys an. Die lernstarken Kinder, vor allem die Kinder im 6. Jahr, verfassen dann zum Beispiel einen Brief an ein anderes Kind, worin sie sich und ihre Familie vorstellen. Abschliessend bearbeiten die Kinder die «Projektaufgabe» (project task), indem sie einen Familienbaum (family tree) mit ihren Familienmitgliedern und deren Herkunft aufzeichnen und dann vorstellen.

Bei der Beurteilung richte ich mich nach den unterschiedlichen Lernzielen der beiden Klassenstufen, wobei es vorkommen kann, dass ich bei den produktiven Fertigkeiten teilweise dieselbe Aufgabenstellung verwende, die unterschiedlichen Klassenstufen bei der Bewertung jedoch berücksichtige. Für die Selbstbeurteilung verhelfen Lernlandkarten den Lernenden wie auch den Eltern zu einem hilfreichen Überblick über die erworbenen Englischkompetenzen.

AdL – Teamarbeit, Haltung der Lehrpersonen und Ressourcen

AdL gelingt, wenn die Haltung der Lehrperson stimmt; das heisst, ich muss mir bewusst sein, dass die Kinder verschieden sind. Zusätzlich fordert AdL von mir grösseren Aufwand beim Planen und bei der Materialbeschaffung. Hier ist es wichtig, dass wir im Team gut kooperieren.

AdL bietet nach meinen Erfahrungen viele Vorteile: So profitieren einerseits die jüngeren Kinder sprachlich von den älteren, indem jene eine Vorbildfunktion übernehmen. Andererseits werden sich schwächere Lernende im 6. Jahr im Vergleich mit den Kindern im 5. Jahr ihrer Sprachkompetenzen bewusst und können gleichzeitig verpassten Stoff repetieren. Es kann aber auch sein, dass begabte Lernende ihre Mitschülerinnen und -schüler der höheren Stufe ein- oder sogar überholen. Aussenstehende können dann oft gar nicht mehr feststellen, welche Kinder welcher Klassenstufe angehören.

Die anfängliche Skepsis der Eltern gegenüber dem AdL kann durch Schulbesuche, bei denen sie ihre Kinder motiviert und kompetent im Englischunterricht erleben, ausgeräumt werden.

In den Lehrplänen und Lehrmitteln

Neue Fremdsprachenlehrmittel (z. B. New World, Mille feuilles, Dis donc!, Ça bouge etc.) nehmen in ihrem Konzept AdL respektive Mehrjahresklassen auf und liefern entsprechend Ideen oder Handreichungen für die Lehrpersonen.

In mehreren Kantonen wird stark empfohlen, in Mehrjahrgangklassen jahrgangspezifische Lehrmittel für die verschiedenen Gruppen zu verwenden. Die hier dargestellte Vorgehensweise kann aber in Klassen umgesetzt werden, in denen grosse Kompetenzunterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern festzustellen sind.

Auf Schulebene

Bei AdL ist wichtig, dass die Schulleitung respektive die Behörden diese Unterrichtsform in Form von zeitlichen Entlastungen (z. B. durch eine zusätzliche Wochenlektion in Form von Teamteaching oder Halbklassenunterricht) unterstützt und den Lehrpersonen, falls nötig, auch den Rücken stärk. Die vorgestellten Ideen und Interventionsmassnahmen im AdL-Unterricht sind auch auf andere Lehrmittel übertragbar.

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

Downloads zum Beispiel

You and me: ein Thema – verschiedene Altersstufen und Kompetenzen im altersdurchmischten Englischunterricht (AdL) (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.05.2018

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