1 In heterogenen Klassen: Chef de cuisine

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Französisch; übertragbar auf andere Fremdsprachen
Autor Michael Wirrer, basierend auf einer Idee von Alexandra Hug

Unterschiedliche Sprach- und IT-Kompetenzen

Alexandra Hug, Lehrerin für die Sekundarstufe in Rorschach (SG), entdeckte ihre Leidenschaft für die französische Sprache bei einem Aufenthalt in Frankreich während der Mittelschulzeit. Inspiriert von lokalen Sprachlehrpersonen wie auch von Zusatz- und Weiterbildungen, war sie ermutigt, den Unterricht über das Lehrmittel hinaus so zu differenzieren, dass Lernende die französische Sprache trotz sehr unterschiedlicher Sprachkompetenzen und Motivation kommunikativ und lebensnah erleben können.

Die Lehrerin ist sich aber auch ihrer Verantwortung bewusst, dass es neben der Lernmotivation auch formale Rahmenbedingungen von weiterführenden Schulen im Unterricht zu berücksichtigen und Sprachfertigkeiten entsprechend zu üben gilt. So kombiniert sie Wortschatz, Schreiben von Texten und Reden mit Rollenspielen, lässt die Lernenden eigene Dialoge zu bestimmten Themen schreiben und szenisch darstellen. Das anfängliche Festhalten der Dialoge zwecks Evaluation der Leistung mittels Videoaufnahmen entwickelte sich mit der Zeit zu einer neuen didaktischen Form, bei der die Lernenden ihre mündlichen Produkte selber zu filmen und zu editieren begannen. Der Miteinbezug von aktuellen Medien und Kommunikationsmitteln ergänzt so den Französischunterricht auf sinnvolle und kreative Weise.

Kommunikativer Unterricht – Sprachsupport – szenisches Darstellen

Ich wollte etwas mehr Schwung in meine Franz-Lektionen zum Thema Essen bringen und z. B. das Kochrezept der salade bretonne (Envol 7, unité 3, S. 48) für einmal nicht einfach präsentieren, sondern die Lernenden selber nach einfachen Kochrezepten auf Französisch suchen, szenisch darstellen und letztlich medial festhalten lassen. Meine Klasse und ich liessen uns durch das Lehrmittel wie auch von Zeichentrickfilmen auf Französisch, wie z. B. mit den Figuren Telmo und Tula, zum Thema Kochen inspirieren. Die Lernenden erhielten die Aufgabe, im Internet nach einfachen Rezepten in französischer Sprache zu recherchieren (Suchbegriffe wie «Cuisiner avec les enfants» und «Recettes faciles pour les enfants» sind dabei nützlich). Ich begutachtete diese dann nach den Kriterien der sprachlichen und logistischen Realisierbarkeit. Als Nächstes liess ich die Lernenden eigene Kochanweisungsdialoge zu ihrem Rezept schreiben. Die Gruppenzusammensetzung überliess ich der Klasse, was zu sprachlich homogenen, aber auch heterogenen Gruppierungen führte. Als Sprachsupport dienten schwächeren Lernenden der Basistext im Lehrmittel (Envol 7), Wörterbücher, Computer, zusätzliche Satzbautafeln oder ich als Expertin.

Nutzen individueller Ressourcen – fächerübergreifender Unterricht

Zur Realisation des Projekts «Chef de cuisine» standen den Lernenden insgesamt drei Französischlektionen zur Verfügung. Sie konnten in dieser Zeit entweder an der Schule an ihren Dialogen arbeiten, in freien Schulräumen filmen und dann im Computerraum ihre Filmsequenzen mit einem passenden Videoschnittsoftware editieren (siehe dazu das Projekt ICT-REV des Europäischen Fremdsprachenzentrums ECML/CELV. Ich verstand hier meine Rolle vornehmlich, bei sprachlichen und technischen Problemen Hilfe zu leisten. Es stand den Lernenden auch frei, diese Arbeitszeit individuell zu nutzen und das Projekt in der Freizeit zu realisieren. So filmten einige Tandems die Kochshow zu Hause mit ihrem Smartphone und editierten die Tubes mit entsprechend heruntergeladenen Apps selbst. Das Endprodukt, eine Imitation einer französischen Kochshow in Form eines Kurzfilms, musste mir bis zu einem gewissen Datum elektronisch abgegeben werden. Ich war erstaunt über die verborgenen theatralischen und IT-Talente gewisser Lernenden, die für einmal ihre unterschiedlichen Ressourcen im Fremdsprachenunterricht einsetzen konnten.

Als Nachbereitung schauten wir uns gemeinsam die Kurzfilme an und bewerteten diese mündlich gemäss bestimmter Kriterien (Kreativität, Sprache und Verständlichkeit) (siehe Beispiel 1: Beurteilungsraster mit der Klasse entwickeln im Kapitel Von der Beurteilung zur Bewertung).

Ich empfand meine Schülerinnen und Schüler bei diesem Projekt als hoch motiviert und selbst von den Eltern bekam ich bei Gesprächen ausschliesslich positive Rückmeldungen für diese Idee. Der Erfolg motivierte meine Klasse und mich zu weiteren Mini-Projekten dieser Art innerhalb eines differenzierten Französischunterrichts.

In den Lehrplänen und Lehrmitteln

Die oben genannte Praxisidee basiert auf dem gegebenen Lehrmittel Envol 7 und könnte ebenfalls mit den neu entwickelten Lehrmitteln für Französisch oder mit Lehrmitteln für andere Sprachen angewendet werden. Mit entsprechenden Anpassungen kann sie auch auf diverse Thematiken und Unterrichtsstufen übertragen werden.

Die szenisch-kommunikativen Arrangements des Praxisbeispiels lassen sich auch in den Lehrplänen wieder finden (siehe Kapitel «Sprachen» im Lehrplan 21, «Langues» im Plan d’études romand, «Indicazioni metodologiche e didattiche» im Piano di studio della scuola dell’obbligo ticinese, Lingue seconde).

Auch die Kombination von Fremdsprachen und Informatik zur Unterstützung der Lernprozesse mit Transfer in die Lebenswelt der Lernenden entspricht den Vorgaben des Lehrplans 21 (siehe Kapitel «Medien und Informatik» im Lehrplan 21, «Commentaires généraux du domaine Langues» im Plan d’études romand, «Indicazioni metodologiche e didattiche» und «Relazioni con i contesti di Formazione generale» im Piano di studio della scuola dell’obbligo ticinese, Lingue seconde).

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

Downloads zum Beispiel

Fremdsprachenunterricht in heterogenen Klassen: Chef de cuisine (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.05.2018

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