4 Didaktische Ressourcen für den Übertritt

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Deutsch und Englisch, übertragbar auf andere Sprachen
Autorin Daniela Kappler

Im Kanton Genf beginnt der Deutschunterricht für die Schülerinnen und Schüler im 5. Jahr der obligatorischen Schule und der Englischunterricht im 7. Jahr (Niveau A1.2 Ende Primarstufe). Sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch ihre Sprachlehrpersonen haben zu einer Reihe von pädagogischen Ressourcen Zugang, die den Übertritt in die Sekundarstufe I und das weitere Lernen erleichtern. Die Klassen- und Stützlehrpersonen der Primarstufe, die mehrere Fächer unterrichten, aber nicht immer alle betreffenden Sprachen, können auf zahlreiche Informationen zu einem integrierten, kohärenten Sprachenunterricht in den Lehrmitteln, im Plan d’études romand (PER), im Document de Liaison (Langues) sowie während einer Tagung zum Sprachenunterricht zurückgreifen. Aus dem Genfer Beispiel lässt sich eine vollständige Sequenz basierend auf verschiedenen Strategien ableiten. Dabei geht es vor allem darum, den Erwerb oder die Vertiefung der Kompetenzen in allen Sprachen, auch in der Schul- oder Herkunftssprache, zu fördern. Die Lehrpersonen – und indirekt die Schülerinnen und Schüler – werden angeregt, beispielsweise an den Kompetenzen im Bereich des Hör- oder Leseverstehens zu arbeiten und dabei interlinguistische Strategien (siehe Kapitel Brücken zwischen Sprachen) zu aktivieren.

Interlinguistische Strategien entwickeln und aufwerten

Die aktuellen pädagogischen Ansätze setzen voraus, dass die Schülerinnen und Schüler ihre anfänglichen Unsicherheiten überwinden, indem sie Fähigkeiten entwickeln, zu antizipieren, abzuleiten, Folgerungen zu ziehen, zusammenzufassen und Hinweise zu nutzen, um das Wichtige zu erfassen. Präsentieren die Lehrpersonen den Schülerinnen und Schülern einen authentischen Text, ist die Reaktion darauf oftmals: «Mais on ne va rien comprendre!». Durch eine Aktivität zur Vorbereitung der Lektüre, welche die Vorkenntnisse zum Thema aktiviert, wird das Lesen eines Buchs nicht nur möglich, sondern auch zu einem Vergnügen. Dank dieser vorbereitenden Aktivität müssen die Lernende ihre Lektüre nicht mehr ständig unterbrechen, um Wörter zu übersetzen und sie können so in die Geschichte eintauchen. Eine effiziente Technik besteht zum Beispiel darin, die Schülerinnen und Schüler anzuleiten, Informationen aus den Bildern und dem Titel auf dem Buchdeckel abzuleiten. Das Genfer Beispiel zeigt, dass die positive Wirkung des Arbeitens mit Strategien zum Zeitpunkt der «Lernkontrollen» zum Tragen kommt. Zum Schluss der Sequenz wird den Lehrpersonen empfohlen, ihren Schülerinnen und Schülern kontextgebundene Prüfungen vorzulegen, die zwar unbekannte aber doch zugängliche Elemente enthalten, damit die oben genannten Strategien aktiviert werden können. Diese Kompetenzen sind sprachübergreifend und auch auf der anschliessenden Schulstufe von Nutzen. Im Sinne einer Kontinuität, Progression und Kohärenz ist es deshalb wichtig, sicherzustellen, dass die Lehrpersonen der entsprechenden Schulstufen nicht nur in Genf über die Wirksamkeit solcher Ansätze informiert sind und diese in ihre Arbeit einfliessen lassen können.

In den Lehrplänen und Lehrmitteln

Die kantonalen Prüfungen sowie die zusätzlichen Unterrichtsmaterialien auf der Website des Departements sind ebenfalls so konzipiert, dass die Fähigkeit des Antizipierens und Ableitens der Schülerinnen und Schüler gefördert wird, um ihnen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Der Ansatz dieser Materialien ist folglich in Bezug auf die Beurteilung interdisziplinär und vertikal ausgerichtet, wobei das Gelernte und nicht die Fehler im Vordergrund stehen. Solche Werkzeuge sind unerlässlich, damit die Schülerinnen und Schüler ihre auf der Primarstufe erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen in den beiden Fremdsprachen auf der Sekundarstufe I einsetzen können. Der Lehrplan 21 beruht auf den gleichen Grundsätzen, was den Umgang mit Fehlern, die Brücken zwischen den Sprachen und den Transfer von interlinguistischen Strategien (siehe Kapitel Brücken zwischen Sprachen) zur Förderung des Lernens anbelangt. Trotz eines mehrjährigen kantonalen Einführungsprogramms wird das Europäische Sprachenportfolio (ESP II) nicht systematisch oder strikt angewandt (Brauchli und Cavadini 2007). Seit September 2016 wird es durch ein Dossier Langues ersetzt, das parallel zu den Lehrmitteln Der grüne Max und Junior (D) sowie More! (E) erarbeitet wurde. Dieses Dossier umfasst folgende Dimensionen: die Beziehung der Schülerinnen und Schüler zu den Sprachen, die interkulturellen Ansätze, die Auseinandersetzung mit den Sprachmitteln von erlernten oder bekannten Sprachen, die Lernstrategien, die nützlich für das Erlernen aller Sprachen sind, die Anerkennung des Gelernten und aller Arbeiten, die in der Schule in den unterrichteten Sprachen durchgeführt werden. Diese Dimensionen sollen den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, ihr eigenes Lernen kohärent und laufend zu reflektieren.

Auf Schulebene

Der Kanton stellt auf einer Website (Disciplines EP) pädagogische Hilfsmittel und Vorschläge für Aktivitäten zur Verfügung. Diese umfassen Online-Lernaktivitäten, welche die Lehrmittel ergänzen, und ermöglichen den Lehrpersonen, den Unterricht zu variieren und vielseitig zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler können so das Sprachenlernen als ganzheitlich erleben, nicht nur in Verbindung mit dem Lehrmittel. Die Lehrpersonen haben die Möglichkeit, auf die Vorschläge für Aktivitäten zurückzugreifen und sie nach eigenem Gutdünken anzupassen. Der Kanton hat ausserdem auch langfristige Massnahmen zur Begleitung und Weiterbildung der Lehrpersonen entwickelt. Im Schuljahr 2015–2016 haben Fachpersonen dieses Bereichs in jeder Primarschule (!) eine Tagung zum Fremdsprachenunterricht durchgeführt. Als Basis für die Tagung dienten die Fragen der Lehrpersonen, die im Verlauf der vergangenen Semester aufgetretenen waren. So wurden im Rahmen von vier Workshops verschiedene aktuelle Themen behandelt, insbesondere der Übertritt von der Primarstufe in die Sekundar- bzw. Orientierungsstufe. Dieses Instrumentarium wird einem Monitoring unterzogen und auch für die Orientierungsstufe entwickelt, damit alle nach dem gleichen Ablauf vorgehen können.

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

Downloads zum Beispiel

Didaktische Ressourcen für den Übertritt in die Genfer Orientierungsstufe (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.05.2018

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