3 Die Beurteilung: Selektivität und Differenzierung

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Englisch, übertragbar auf andere Sprachen
Autorin Daniela Kappler

Im Kanton St. Gallen beinhaltet der Stufenübergang einen selektiven Übergangsprozess, der Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Eltern einbezieht. Die Beurteilung der Kompetenzen der Lernenden in den Fremdsprachen stellt einen Teil der gesamten Lernleistung dar, welche die Lernenden beim Übergang in die Sekundarstufe I erbringen müssen (siehe Kapitel Von der Beurteilung zur Bewertung). Dabei will man den mündlichen Bereich nicht vernachlässigen und die Aspekte des Textverständnisses und der Rechtsschreibung sollen progressiv angegangen werden. Die Resultate im Fach Englisch ermöglichen den Lernenden in einer anforderungsdifferenzierten Niveauklasse, für dieses Fach weiterlernen zu können, unabhängig von ihrer Zuteilung zu einer Anforderungsstufe (grundlegende, mittlere oder erhöhte Anforderungen). Werden Lernschwierigkeiten und Bedürfnisse nach Sprachsupport bei Lernenden eruiert, bieten die aktuellen Lehrmittel und verschiedene Veröffentlichungen angemessene Unterstützung (siehe auch das Kapitel Umgang mit Heterogenität).

Austausch, didaktische Ansätze, Zuweisungsgespräche

Um differenziert vorgehen zu können, setzen die Schulleitungen der Primar- und der Sekundarstufe I auf eine Art Übergangsverfahren, das mit einem Lehrpersonenaustausch vor und nach dem Übertritt und mit Workshops bewerkstelligt wird. Zwei Wochen vor Schulschluss besuchen die Lernenden der Primarstufe (im 8. Jahr der obligatorischen Schule) im Rahmen des sogenannten Wellentages (Besuchstag) die neue Lehrperson im Schulhaus der Sekundarstufe I (9. Jahr). Im Abgabe-Aufnahme-Gespräch zwischen den Lehrpersonen wird das Dossier/Portfolio (zwar ohne ESP) der einzelnen Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Im Frühjahr findet jeweils ein Zuweisungsgespräch mit den Eltern, dem Kind und der Lehrperson des 8. Jahres (Primarstufe) statt. Dabei wird der Zuweisungsantrag ausgefüllt und im Anschluss an die zuständige Behörde (Schulrat) weitergeleitet. Ein paar Monate nach Schulbeginn treffen sich die Lehrpersonen beider Stufen wieder, um die Entwicklung der Lernenden weiterzuverfolgen. Positiv aufgefallen ist, dass dieser Austausch professioneller Reflexionen zwischen Lehrpersonen beider Seiten als nützlich empfunden wird und dass auf beiden Stufen ähnliche bis übereinstimmende didaktische Ansätze verfolgt werden.

In den Lehrplänen und Lehrmitteln

Im Übergangsverfahren wird die Nähe und Kohärenz zu den Lehrmitteln und zum Lehrplan gezielt gesucht und gefördert. Die Lehrmittel Young World, bzw. Open World für English, sowie Envol und Dis donc! für Französisch bieten ein langlebiges Spektrum für einen kohärenten Übergang «Lehrmittel, die als Gesamtpaket stufenübergreifend geplant und erstellt werden, haben das Potenzial, die Lernenden systematisch über die verschiedenen Niveau- und Schulstufen hinweg zu begleiten. Die strukturierte Progression des Sprachaufbaus, vorzugsweise spiralzyklisch, und die methodischen Anregungen leisten dabei wertvolle Dienste» (Hutterli, 2012, 124). In den verschiedenen Dokumenten, die auf www.sprachenunterricht.ch zugänglich sind, interessiert uns hier auch das gezielte Miteinbeziehen der Eltern (Flyer Fremdsprachen, Elterninfo Sprachelernen Konzept, Amt für Volksschule, 2014), sowie die Aufmerksamkeit zum erhöhten Sprachsupport, zur Binnendifferenzierung (siehe Kapitel Lernaufgaben gestalten und Umgang mit Heterogenität), zur Förderung und Überprüfung der Lernenden mit Lernschwierigkeiten (Fertigkeitsbeschreibungen und Aufgabenstellungen vor allem im Englischen, s.Young World). Die Frage nach Dispensation und Förderung wurde vom Institut für Fachdidaktik Sprachen (IFDS) der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) vertieft angegangen (IFDS, 2012).

Auf Schulebene

Es wird als wichtig erachtet, dass sich die Lehrpersonen der Sekundarstufe I und der Primarstufe bewusst werden, wie der Unterricht in der anderen Stufe erlebt und durchgeführt wird. Hospitationen sind dafür ein geeignetes Mittel. 2012 wurde eine Veranstaltung über Kohärenz, Austausch und Hospitationen im Schulhaus Hanfländer von der PHSG begleitet und positiv erlebt. Zwei Jahre danach haben die Lehrpersonen der Sekundarstufe I im Rahmen eines Schulentwicklungsprojektes die Hospitationen durchgeführt. Heute (2017) denkt man daran, dies für die Lehrpersonen der Sekundarstufe I und auch auf der Primarstufe anzuregen. Um nicht nur zwischen den Stufen für Koordination zu sorgen, sondern auch bei beunruhigten Eltern das Aufklärungsbedürfnis zu den «neuen» didaktischen Ansätzen der Lehrpläne und Lehrmittel zu decken, arbeitet die Abteilung «Pädagogik» und Schulentwicklung der Stadt an einer kantonalen Broschüre (nicht nur in Bezug auf Englisch) und am Konzept der überfachlichen Kompetenzen zusammen. Dieses Projekt wird von der kantonalen Schulleiterkonferenz getragen, zusammen mit Gremien der Geschäftsleitung für neue Fach-Workshops der Stadt Rapperswil-Jona.

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

Downloads zum Beispiel

Die Beurteilung: zwischen Selektivität und Differenzierung (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 31.10.2017

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