4 Scaffolding einsetzen: Perspektive einer Drohne

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Französisch, übertragbar auf andere Sprachen
Autor Christof Chesini und Peter Klee

Lernaufgabe: Die eigene Wohnung oder das eigene Haus präsentieren

Folgendes Beispiel zeigt, wie in einem handlungsorientierten Unterricht mit sorgfältigem und wohl dosiertem Scaffolding eine anspruchsvolle kommunikative Lernaufgabe gemeistert werden kann. In einem Scaffolding wird der Lernprozess der Schülerinnen und Schüler schrittweise durch die Bereitstellung von Anleitungen, Denkanstössen und anderen Hilfestellungen so unterstützt, dass eine Aufgabe von den Lernenden selbstständig lösbar wird.

Die Lehrperson aus der Sekundarstufe I berichtet: «Als ich mich im Internet auf die Suche nach einer Unterkunft für den Urlaub machte, habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass Wohnungen und Häuser nicht nur mit Fotos, sondern auch mit Präsentationen per Drohne angepriesen werden. Ich war von der Qualität und der realen Darstellung beeindruckt. Dies hat mich zur Lernaufgabe inspiriert, die Wohnsituation meiner Schülerinnen und Schüler aus der Sicht einer Drohne beschreiben zu lassen.»

  1. Einstieg

    Als Einstieg dienen Videos mit Immobilienpräsentationen online, was den Lernenden hilft, eine Vorstellung vom Endprodukt der Lernaufgabe zu erhalten. Diese Präsentationen sind meist wortlos und können zu einem späteren Zeitpunkt zum Einüben der Präpositionen und des Wortschatzes eingesetzt werden (siehe Punkt 6). Nützliche Suchbegriffe für eine Internet-Recherche sind z.B. «Architekturvideo Immobilien», «Rundgang Besichtigung Wohnung», «visite architecture», «visite virtuelle, appartements meublés».

  2. Nützlichen Wortschatz lernen und anwenden

    Die Schülerinnen und Schüler lernen und wenden den Wortschatz für die verschiedenen Räume einer Wohnung oder eines Hauses sowie für die Möbelstücke an. Sie benennen beispielsweise in Partnerarbeit die Räumlichkeiten in ihrer Wohnung oder ihrem Haus sowie die Möbel in ihrem Zimmer oder Lieblingsraum und stellen sich gegenseitig Fragen. Diese Phase wird von den meisten heutigen Lehrmitteln gut abgedeckt. Siehe Beispiel 1 «Yesterday and today – Erfindungen im Wandel der Zeit: Kommunikative Fertigkeiten entwickeln» für die Erarbeitung eines selbst hergestellten Fragenkatalogs.

  3. Das eigene Scaffolding gestalten

    Anschliessend zeichnen die Lernenden einen Grundriss ihrer Wohnung oder ihres Hauses auf und beschriften die verschiedenen Räume. Die Grundrisszeichnung dient später während des Vortragens als Orientierungshilfe oder als Arbeitsblatt für die Klasse (siehe Punkt 9).

  4. Beschreiben

    In der nächsten Phase erstellen die Schülerinnen und Schüler einen Flugplan der Drohne anhand der Grundrisszeichnung ihrer Wohnsituation. Sie zeichnen die Flugroute selbstständig auf der Grundrisszeichnung ein und beschränken sich je nach Niveau auf drei bis fünf Räume, welche die Klasse zu sehen bekommt (siehe Punkt 9). Zu zweit beschreiben sie sich nun die Flugroute. Die Bereitstellung eines Scaffoldings in Form einer sorgfältig zusammengestellten Auflistung der Bewegungsverben einerseits und der Richtungsangaben andererseits ist dafür unabdingbar: Je vole tout droit, je tourne à gauche, je passe par la porte, j’arrive dans la cuisine (Ich fliege geradeaus, nach rechts, durch die Türe, ich komme in der Küche an). Im Anhang befinden sich dem Niveau der Lernenden angemessene Redemittel aus den Bereichen «Je dis où je vais» und «Je dis où je suis». Siehe auch das Beispiel 2 «Interdisziplinär arbeiten: eine eigene Nachrichtensendung gestalten» zur Verwendung eines Arbeitsblattes für ein Partnerfeedback.

  5. Präsentieren spielerisch üben

    Ein Drohnenflug wird erst dann interessant, wenn man auch etwas zu sehen bekommt. Die Schülerinnen und Schüler zeichnen in ihrem Grundriss die Möbelstücke ein und üben die räumlichen Präpositionen, indem sie für ein selbst gewähltes Zimmer in einer Kurzpräsentation die Möbelstücke und deren Position beschreiben und versuchen, dafür einen Mieter zu finden: Entsprechend der Methode Kugellager (Karussell, Speed Dating) wird die Klasse halbiert, die eine Hälfte beschreibt die Räume, die andere hört zu. Die beschreibende Person hat jeweils 2 Minuten Zeit, ihr Zimmer zu beschreiben. Nach zwei Minuten erklingt ein «Gong», und die Zuhörerin oder der Zuhörer verschiebt sich um einen Sitzplatz. Dann wird das Zimmer dem neuen Gegenüber beschrieben. Nach etwa fünf Wiederholungen müssen sich die Zuhörenden entscheiden, welches Zimmer sie aufgrund der Beschreibung mieten würden. Auf diese Art werden die Schülerinnen und Schüler zu pointiertem und genauem Arbeiten veranlasst.

  6. Redewendungen festigen

    Zur Aktualisierung der Lernaufgabe wird nochmals eine Online-Immobilienpräsentation eingesetzt. Die Lernenden folgen dem Flug der Drohne und zählen in einem ersten Durchgang zur Repetition spontan auf, was sie mit dem Kameraauge alles zu sehen bekommen. In einem zweiten Durchgang folgen sie dem Flug der Drohne und versuchen die Bewegungen zu beschreiben, wie wenn sie selbst die Drohne lenken würden. Hier bietet sich je nach Niveau der Klasse ein weiteres Scaffolding (siehe Anhang) an, um auch der möblierten Wohnung in Vogelperspektive gerecht zu werden: Je passe par-dessus l’armoire, je vole sous la table de la cuisine, etc. (Ich fliege über den Kasten, unter dem Küchentisch hindurch usw.).

  7. Das Endprodukt vorbereiten

    Die Lernenden verfügen nun über den erforderlichen Wortschatz und den Grundriss, sodass sie die mündliche Präsentation der Flugroute vorbereiten können. Ein zusammenfassendes Repertoire an Redemitteln dazu findet sich im Anhang «Vol de drone». Er dient der Lehrperson in erster Linie als Anregung und kann je nach Niveau der Klasse eingeschränkt oder erweitert werden. Wird er als Arbeitsblatt für die Lernenden verwendet, empfiehlt es sich, rückblickend die Etappen der durchlaufenen Aktivitäten nachzuvollziehen und die verschiedenen Räume und Möbelstücke einerseits, die Ortsangaben und die Bewegungsverben andererseits mit unterschiedlichen Farben hervorzuheben. So setzen sich die Lernenden nochmals intensiv mit den angebotenen schriftlichen Hilfestellungen auf dem Arbeitsblatt auseinander, bevor sie eigenständig den Drohnenflug sowie die Möblierung der Räume beschreiben.

  8. Spickzettel gestalten

    Für die Präsentation notieren sich die Schülerinnen und Schüler einige wenige Schlüsselwörter auf «Spickzettel» und bereiten somit ihre Hilfestellung selbst vor. Die Leitgedanken auf dem Arbeitsblatt können dabei zur Unterstützung gegeben werden: «Je dis où je vais» – «Je dis où je suis» – «Je dis ce que je vois».

  9. Peer-Feedback zum Endprodukt

    Je nach Profil der Klasse sind verschiedene Präsentationen möglich: In einer Klasse mit Grundanforderungen zeigen die Vortragenden ihren Grundriss mit Möbelstücken und begleiten während der Präsentation den Drohnenflug mit dem Zeigestock. Die Klasse versucht im Anschluss an die Präsentation sich gemeinsam an den Flug zu erinnern. In einer Klasse mit erweiterten Anforderungen geben die Vortragenden der Klasse den Grundriss mit oder ohne Möbelstücke ab und lassen die Zuhörenden die Flugroute und evtl. zusätzlich die Möbelstücke in den Grundriss einzeichnen. Die Lernenden werden damit zu aktiven Zuhörerinnen und Zuhörern. Je nach Grösse einer Klasse bietet sich hier eine Präsentation in Gruppen an. Im Beispiel 3 «Selbstporträt – Peer-Feedback im Fremdsprachenunterricht» wird dargestellt, wie ein Arbeitsblatt für eine Partnerevaluation (Bsp. 3, Anhang 2) die Lernprozesse unterstützen kann.

Folgende Bemerkung der Lehrperson zeigt, dass sich die Spannung bei der Präsentation noch steigern lässt: Damit der «Drohnenflug» zu einem Höhepunkt in meinem Fremdsprachenunterricht wird, weise ich meine Schülerinnen und Schüler darauf hin, dass durch Betonung und Erzählart beispielsweise ein Rennen auf Zeit, eine Verfolgungsjagd oder Flucht inszeniert werden kann und einem schlichten Abfliegen von Posten vorzuziehen ist. Dies ermöglicht es den Lernenden, der Präsentation nebst der stark individuellen Gestaltung einen persönlichen Charakter zu verleihen.

Je nach Ermessen der Lehrperson und Grösse der Schulgemeinde bietet sich ein Spaziergang zu den beschriebenen Objekten an. Mit Hilfe einer Online-Karte können die einzelnen Häuser auch virtuell im Schulzimmer betrachtet werden. Die Schülerinnen und Schüler profitieren auch dann, wenn die Präsentation «nur» im Schulzimmer stattfindet, denn die Beschreibung der eigenen Wohnverhältnisse entspricht einer authentischen Situation.

Im Hinblick auf eine Austauschaktivität könnten die Präsentationen per Video aufgenommen und einer Partnerklasse zu Verfügung gestellt werden. Diese motivierende Lernaufgabe sollte in geeigneter Form auch ihren Niederschlag in einer Mappe oder Sprachenportfolio finden.

Downloads zum Beispiel

Einsatz von Scaffolding: Aus der Perspektive einer Drohne (pdf, mit Anhang)
Anhang (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

Diese Seite in: Français Italiano

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.05.2018

Job