2 Interdisziplinär arbeiten: Nachrichtensendung

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Französisch, übertragbar auf andere Sprachen
Autor Christof Chesini und Peter Klee

Es ist nicht immer leicht, den Lernenden schmackhaft zu machen, auch einmal eine Fernsehsendung auf Französisch oder Englisch anzuschauen, wie vordringlich dies für uns Fremdsprachenlehrpersonen für den Erwerb einer Sprache auch sein mag. Da in unserer Schule die Medien auch in anderen Fächern thematisiert werden, habe ich mich entschlossen, meine Schülerinnen und Schüler im Französischunterricht eine eigene Nachrichtensendung gestalten zu lassen.

Lehrperson und Lernende haben sich in diesem Lernarrangement einer herausfordernden Aufgabe gestellt, indem nicht nur sprachenübergreifende, sondern auch interdisziplinäre Kenntnisse aktiviert und eingesetzt werden (siehe Kapitel Brücken zwischen Sprachen). So sind Verbindungen zur Schulsprache und zu MINT-Fächern entstanden, und es wurde die fächerübergreifende Reflexion angeregt. Der Einbezug von verschiedenen Fächern vereinfacht die anspruchsvolle Lernaufgabe nicht, macht diese aber durch die kognitive Aktivierung der Lernenden zu einer interessanten Herausforderung. Der folgende Praxisbericht zeigt, wie das aktuelle Geschehen in motivierender Art und Weise im Fremdsprachenunterricht thematisiert wird und sich die Lernenden wichtige Strategien aneignen können.

Reflexion über Medien

Zuerst tragen die Lernenden mit Hilfe einer Mindmap die ihnen bekannten Arten von Fernsehsendungen zusammen und ordnen sie verschiedenen Kategorien zu: journaux télévisés, documentaires, téléfilms et séries télévisées, débats télévisés, émissions de téléréalité, etc. (Nachrichtensendungen, Dokumentarfilme, Fernsehfilme und Serien, Fernsehdebatten, Reality-Shows). Im Mittelpunkt stehen das Erkennen und das Einordnen der Vielfalt von Sendungsformaten. Anschliessend werden die Sendungen den Bereichen divertissement und information (Unterhaltungs- und Informationssendungen) zugeordnet, im Wissen darum, dass die Zuordnung nicht immer eindeutig ist. Diese erste Reflexion bietet eine ausgezeichnete Ausgangslage, um das Resultat der gedanklichen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Fernsehformaten im Modul Medien und Informatik (vgl. Lehrplan 21) und/oder im Fach Schulsprache aufzugreifen und vertieft weiterzuführen. Im Folgenden wird der Fokus auf die Nachrichtensendung gelegt.

Mit meinen Schülerinnen und Schülern habe ich zuerst eine Nachrichtensendung genauer unter die Lupe genommen. Informationssendungen in einer anderen Sprache sind, was die Anforderungen an das Hörverstehen betrifft, keine einfache Sache. Je nach Niveau der Klasse darf man sich daher auch mit einem Teil der Sendung begnügen. So erlauben es die nach Themen gegliederten Fernsehnachrichten von RTS/SRF/RSI auf Internet, verschiedene zugängliche Informationen auszuwählen.

In einem ersten Durchgang werden die einzelnen Themenbereiche, meist begrenzt durch das Erscheinen der Sprecherin oder des Sprechers, in der Zielsprache stichwortartig an der Wandtafel festgehalten. Dazu halte ich die Sendung an, und die Lernenden machen Vorschläge für einen passenden Titel. Aus dem Resultat ergeben sich Anknüpfungspunkte für eine Diskussion in der Klasse: Wie ist die Sendung aufgebaut? Was kommt zuerst, was nachher? Welches sind die dramatischsten Sequenzen? Warum? Dabei eignen sich die Lernenden neue Wörter an, die für die Gestaltung der eigenen Nachrichtensendung nützlich sind und auch in anderen Fächern verwendet werden können: le studio, le journal télévisé, l’événement, l’actualité (internationale, nationale, politique, culturelle, sportive), le/la journaliste, le/la reporter, l’envoyé(e) spécial(e), etc. (das Studio, die Nachrichtensendung, das Ereignis/der Anlass, die Aktualität, der/die Journalist/in, der/die Reporter/in, der/die Sonderbeauftragte). Ein vor der Lektion vorbereitetes Gerüst der Nachrichtensendung an der Wandtafel erleichtert das Vorgehen (Anhang 1).

Nach der Gruppenbildung werden die Nachrichten (aktuelle Themen) in der Klasse aufgeteilt; jede Gruppe ist für ein Thema verantwortlich und versucht in einem zweiten Durchgang mit Hilfe eines Rasters, so viele W-Fragen wie möglich zu beantworten: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? (Anhang 2). Die Schülerinnen und Schüler lernen damit gleichzeitig die wichtigsten Elemente einer Nachricht kennen. Dabei sind mir der Ton und das Bild genau so wichtig wie der Text. In der Gruppe wird darauf diskutiert, welche Informationen man zum Titel an der Wandtafel notieren möchte. Damit das Gespräch in der Gruppe in der Zielsprache stattfindet, sind die Lernenden auf einige wichtige Redemittel angewiesen: Je pense que ..., à mon avis, il faut ..., etc. (Ich denke, dass ..., Meiner Meinung nach sollte man ...). Zudem sollten Hilfsmittel wie zweisprachige Wörterbücher zur Verfügung stehen. Auf die nächste Stunde schauen sich die Lernenden als Hausaufgabe eine Nachrichtensendung in der Zielsprache an.

Vom Verstehen zum Vortragen

Die Lernaufgabe besteht darin, zu dritt eine Live-Nachrichtensendung von etwa fünf Minuten mit mindestens drei Themen zu gestalten, wovon eines mit einem Interview im Studio oder in Direktschaltung. Jede Woche ist ein anderes Team im Einsatz. Um der Klasse Mut zu machen, konzipieren wir eine Nachrichtensendung gemeinsam. Die Nachrichtensendung, die meine Schülerinnen und Schüler zu Hause angeschaut haben, dient uns als Ausgangspunkt und wir diskutieren, was in unserer Sendung Platz haben könnte. Die Themen werden auf Gruppen aufgeteilt. In einer «Redaktionskonferenz» vertieft die Gruppe ihr Thema in der Zielsprache, bestimmt die Zuständigkeiten und das benötigte Material. Im Zusammenhang mit der Direktschaltung empfiehlt sich eine kurze Repetition der Frageformen und Fragewörter. Die Schülerinnen und Schüler haben nun Zeit, ihren Auftritt bis zur nächsten Stunde vorzubereiten.

Das Gestalten der eigentlichen Live-Nachrichtensendung ist Hausaufgabe. Ziel ist es nicht, die Sendungen im Fernsehen zu imitieren. Die Jugendlichen haben andere Interessen, in der Sendung soll deshalb vieles Platz haben: Meldungen aus dem In- und Ausland, Sport, eine kurze Wetterprognose sowie Neuigkeiten aus der Region, dem Dorf, der Stadt, dem Quartier sowie aus dem Schulhaus und aus der Klasse usw.

Die W-Fragen auf dem Arbeitsblatt «Guide» (Anhang 1) helfen den Lernenden, die Nachrichten inhaltlich, sprachlich und strukturell zu gestalten. Bei der Präsentation soll möglichst frei gesprochen werden, Spickzettel sind aber erlaubt. Dazu kann auch das Raster mit den Fragen genutzt werden (Anhang 2). Es ist wichtig, dass die Lernenden in einer geschützten schulischen Atmosphäre spontan sprechen können und auch Fehler machen dürfen.

Nach jeder Nachrichtensendung geben die Mitschülerinnen und Mitschüler ein konstruktives Feedback in der Zielsprache. Eine Auswahl von Redemitteln dazu steht ihnen zur Verfügung: Le téléjournal est bien structuré. Il faut parler plus fort, etc. (Die Nachrichtensendung ist gut strukturiert. Ihr müsst lauter sprechen.). Die sprachliche Hilfsstellung (Anhang 3) dazu kann themenunabhängig und übersetzt in anderen (Sprach)-Fächern eingesetzt werden.

In den Lehrplänen und Lehrmitteln

Der Sprechauftrag ist in hohem Masse mit dem Lehrplan kompatibel (LP21, PER). Die Lernenden setzen in einem herausfordernden Input zielgerichtet Hörstrategien ein. Sie berichten mit einfachen Worten über alltägliche Themen und präsentieren diese in einem kurzen vorbereiteten «Vortrag». Sie setzen dabei ästhetische und spielerische Gestaltungsmittel ein. Sie achten auf eine gute Aussprache und lernen, Sprechstrategien zunehmend selbstständig einzusetzen.

Zusätzlich werden in diesem Lernarrangement die Medienbildung und Mediennutzung (vgl. LP21/ Modul Medien und Informatik) angesprochen. Die Schülerinnen und Schüler denken über Medien nach und sprechen über ihren alltäglichen Umgang damit. In der Medienbildung spielen neben dem Sachwissen auch pädagogische Aspekte eine wichtige Rolle. Dadurch werden die Kreativität sowie die Wahrnehmungs- und Ausdruckfähigkeit gefördert.

In den neuen Lehrmitteln wird darauf geachtet, dass die Zielsprache in allen Situationen im Unterricht gesprochen wird, auch dann, wenn die Lernenden in einer Gruppe arbeiten oder ein Feedback abgeben müssen. Das ist auch in dieser Lernaufgabe der Fall. Betreffende Redemittel finden wir z. B. im Französischlehrmittel dis donc! (Nachschlagewerk dis voir!) und in den Englischlehrmitteln Explorers (Resource Book) und Voices (Language Guide).

Auf Schulebene

Diese Lernaufgabe kann in jeder Fremdsprache isoliert oder aber im Zusammenhang mit einem entsprechenden Thema in der Medienkunde bearbeitet werden. Werden die Nachrichtensendungen aufgenommen, finden sie den Weg in das Sprachenportfolio oder gar zu einer Partnerklasse.

Für die Umsetzung dieser Lernaufgabe bieten sich neben dem ordentlichen Unterricht Sonderwochen an, in denen interdisziplinär am Thema Medien gearbeitet wird. Bei einer überfachlichen Durchführung sind Absprachen mit Kolleginnen und Kollegen aus allen beteiligten Fachbereichen unabdingbar und Schlüssel zum Erfolg.

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

Downloads zum Beispiel

Interdisziplinär arbeiten: eine eigene Nachrichtensendung gestalten (pdf, mit Anhängen)
Anhang 1 (pdf)
Anhang 2 (pdf)
Anhang 3 (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.05.2018

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