4 Das 12. partnersprachliche Schuljahr

Stufe
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Sprache(n) Alle Sprachen
Autor Claudine Brohy

Ein Schuljahr in einer anderen Sprachregion

Für alle Schülerinnen und Schüler ist das Ende der obligatorischen Schule, nachdem sie elf Jahre lang die Schulbank gedrückt haben, sowohl ein Abschluss als auch ein Neubeginn, zu dem gewisse Übergangsrituale gehören. Eine sehr lange Tradition haben in der Schweiz einjährige Aufenthalte, bei denen die Jugendlichen vollständig in einen anderen Sprachraum eintauchen, bevor sie eine Berufs- oder Gymnasialausbildung in Angriff nehmen. Mit dem 12. partnersprachlichen Schuljahr wurde diese Tradition neu belebt.

Die Schülerinnen und Schüler besuchen in einem solchen Jahr die letzte Klasse der Sekundarstufe I (11. Jahr der obligatorischen Schule) in einer anderen Sprachregion und absolvieren das dortige Programm in ihrer Zweit- oder Fremdsprache. Es handelt sich somit um eine späte Vollimmersion. Falls die Schülerinnen und Schüler nicht zu weit von der Gastschule entfernt wohnen und entsprechende Verkehrsmittel vorhanden sind, können sie pendeln und jeden Abend nach Hause zur ihrer Familie zurückkehren. Ist dies nicht möglich, kommen zwei Varianten infrage: Falls die Gastfamilie ein Kind hat, das ebenfalls das 12. partnersprachliche Schuljahr absolviert, kann ein gegenseitiger Austausch erfolgen. Die Schülerinnen und Schüler leben dann während der Woche bei der jeweiligen Gastfamilie in der anderen Sprachregion und verbringen die Wochenenden und Schulferien zu Hause. Sind weder das tägliche Pendeln noch ein gegenseitiger Austausch möglich, bleibt als dritte Variante ein Aufenthalt in einer Gastfamilie mit finanzieller Beteiligung. Dieses Schuljahr mit Vollimmersion kann in allen 26 Schweizer Kantonen absolviert werden; eine interkantonale Vereinbarung (Regionales Schulabkommen, RSA) regelt die Einzelheiten. Eine besonders wertvolle Erfahrung ist sicher ein Aufenthalt an einer italienisch- oder rätoromanischen Sekundarschule. Dies bietet die Chance, von der Mehrsprachigkeit der Schweiz zu profitieren und diese nicht nur auf das Tandem Französisch-Deutsch zu reduzieren. Im Kanton Freiburg erhalten die Schülerinnen und Schüler zu Beginn des Schuljahres zwischen 15 und 20 Lektionen Stützunterricht in der L2 (Französisch oder Deutsch), die vom Kanton finanziert werden (siehe z. B. Broschüre 2011-2012.pdf).

Sprache und Kultur kennenlernen und sich persönlich entwickeln

Dieses Brückenjahr ist eine interessante Übergangslösung, weil die Schülerinnen und Schüler ihre Sprach- und Kulturkompetenzen in verschiedenen formellen und informellen Kontexten festigen und erweitern können. Sie gewinnen aber auch persönlich an Reife und Selbstständigkeit und sind danach in der Lage, überlegtere Entscheidungen für ihre Schul- und Berufslaufbahn zu treffen. In diesem Jahr können sie auch ihr Selbstvertrauen stärken, eine andere Schulkultur kennenlernen und schulische Themen vertiefen, nicht nur in einer anderen Sprache, sondern auch aus einem anderen Blickwinkel. Doch nicht nur die Schülerinnen und Schüler profitieren: Auch für die Gastfamilie und die Gastklasse ist diese Erfahrung sehr bereichernd, wie der Bericht von Coralie Taramarcaz-Schaub (Fully, VS) bestätigt:

Ich habe ein 12. partnersprachliches Schuljahr in Hettiswil absolviert, einem kleinen Dorf im Kanton Bern. Ich hatte das Glück, bei einer wunderbaren Familie zu leben, mit der ich noch heute Kontakt habe, und aussergewöhnliche Leute kennenzulernen, sowohl im Umfeld meiner Gastfamilie als auch in der Schule. Die Schülerinnen und Schüler und die Lehrpersonen haben mich herzlich aufgenommen und mich sofort integriert. Alle gaben sich Mühe, mit mir in gutem Deutsch zu sprechen. Durch diese Erfahrung wurde ich nicht nur selbstständiger (ich war zum ersten Mal von meiner Familie weg und musste die Schulstrecken und meine Woche selber organisieren), sondern dank diesem Jahr kann ich nun auch das zweisprachige Gymnasium besuchen. Diese Erfahrung hat mir persönlich und beruflich enorm viel gebracht.

In besonderen Fällen kann ein 13. Jahr absolviert werden, und es ist auch möglich, einen anspruchsvolleren Schultyp zu wählen. Die Anmeldung beinhaltet ein rund 100 Wörter langes Motivationsschreiben der Schülerinnen und Schüler. Anmeldefrist ist jeweils in den ersten Monaten eines Jahres für das folgende Schuljahr. Deshalb ist es wichtig, dass die Schulen und Lehrpersonen ihre Schülerinnen und Schüler früh genug über diese Möglichkeit informieren und dass sie die Schülerinnen und Schüler im Austausch an ihrer Schule gut aufnehmen.

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

Downloads zum Beispiel

Vollständige Immersion auf der Sekundarstufe I: 12. partnersprachliches Schuljahr (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.05.2018

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