3 Reziproke Immersion

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Französisch/Deutsch, Italienisch/Deutsch übertragbar auf andere Kombinationen
Autor Claudine Brohy

In zweisprachigen Regionen an der Sprachgrenze und in städtischen Zentren, in denen häufig viele Sprecher einer anderen (Landes-)Sprache leben, besteht die Möglichkeit, gemischte Klassen zu bilden, in denen Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Muttersprachen miteinander in Kontakt kommen und in zwei Sprachen lernen und arbeiten.

Sprachliche Impulse liefern somit nicht nur das Programm, die Unterrichtsmaterialien und die Lehrpersonen, sondern auch die Mitschülerinnen und -schüler. Wie bereits von Scholz (1996) nachgewiesen, lernen Kinder viel voneinander, und dieses gegenseitige Lernen betrifft auch die Sprache und die Kommunikation allgemein.

Organisation des Unterrichts

Diese Variante des zweisprachigen Unterrichtens wird auch als zweisprachige Immersion oder bidirektionale Immersion bezeichnet, in Anlehnung an den Begriff two-way immersion, der in den USA und in der wissenschaftlichen Literatur vorwiegend verwendet wird (Howard & al. 2005; Kunkel 2013). Der Unterricht ist typischerweise wie folgt organisiert: Idealerweise haben die beiden Sprachgruppen je einen Anteil von 40 % bis 60 % am gesamten Klassenbestand der zweisprachigen Klasse. Unterrichtet wird im Allgemeinen zu rund 50 % in einer Sprache und zu 50 % in der anderen Sprache. Falls eine Sprache stark in der Minderheit ist, kann das Verhältnis bis zu 90/10 % gehen. Das Modell der reziproken Immersion kann für die ganze Schule obligatorisch sein, wie in den zweisprachigen rätoromanisch-deutschen Bündner Schulen oder im «Cycle d’orientation» in Morat/Murten (FR), oder fakultativ, wie in den zweisprachigen deutsch-französischen Klassen ab dem Kindergarten in Biel (FiBi). Die reziproke Immersion lässt sich in allen Fächern sowie in interdisziplinären Projekten anwenden oder auch nur in einzelnen Fächern wie Hauswirtschaft, Kunst oder Sport, was die Umsetzung erleichtert. Wenn die Lese- und Schreibkompetenzen in den beiden Sprachen sowie die interkulturellen Aspekte gefördert werden sollen, eignen sich eher Fächer, in denen mit authentischen Dokumenten in beiden Sprachen gearbeitet und diskursive Kompetenzen sowie das Argumentieren geübt wird. Durch das Arbeiten in Sprachtandems entwickeln die Schülerinnen und Schüler Mediationskompetenzen und interlinguistische Strategien. Dies ist später hilfreich, wenn sie ein zweisprachiges Studium in Angriff nehmen oder in einem mehrsprachigen Umfeld arbeiten.

Unterrichtsmaterialien zur Förderung der Zusammenarbeit

Aus didaktischer Sicht wird ein bedeutender Teil der Unterrichtszeit dem selbstständigen Arbeiten zu zweit oder in Gruppen gewidmet. Diese Arbeit beruht auf dynamischen Techniken der Zusammenarbeit, die den Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern verschiedener Muttersprachen fördern und sie so motivieren und befähigen, die gestellten Aufgaben zu erfüllen. «Seit einigen Jahren entwickelt unsere Schule ein Pilotprojekt zum Deutschlernen. Unser Ziel ist es, Verbindungen zwischen den beiden Sprachgemeinschaften zu schaffen und die Kommunikation in den beiden Sprachen, die in unserer Region gesprochen werden, zu fördern. Wir haben uns für Fächer wie Sport oder Hauswirtschaft entschieden, die sich besonders gut für Gruppenarbeiten und andere kooperative Unterrichtsformen eignen. Das Projekt betrifft alle Schülerinnen und Schüler unserer Schule während ihrer Zeit im «Cycle d’orientation» (Cycle d’orientation de Morat/ Murten).

Die Arbeit mit Unterrichtsmaterialien, die unterschiedliche Kulturen und Lernkulturen zum Ausdruck bringen, fördert Diskussionen und den Austausch unter den Lernenden sowie zwischen den Lehrpersonen und den Lernenden und hat einen Einfluss auf die Motivation und die Beteiligung. Eine Primarlehrerin, die in einer zweisprachigen Klasse unterrichtet, betont die kulturellen und pädagogischen Unterschiede: «Sie können sich gar nicht vorstellen, wie stark sich ein ‘étang’ von einem ‘Teich’ unterscheidet!»

Reziproke Immersion in nicht zweisprachigen Klassenzügen

Die reziproke Immersion wird nicht nur in den zweisprachigen Klassen des Kindergartens und der Primarschule in Biel (FiBi), im Cycle d’orientation de Morat/Murten und an den Bündner Schulen umgesetzt, sondern auch im Liceo Artistico in Zürich sowie an den Gymnasien entlang der Sprachgrenze und an Hochschulen. Möglich sind auch kürzere Phasen, beispielsweise in den sogenannten Grünen Wochen oder Sportwochen, bei denen Klassen aus unterschiedlichen Sprachregionen der Schweiz zusammenkommen oder im Rahmen von klassenübergreifenden Schulausflügen (siehe ehemaliges Programm Excursion PLUS, übernommen von movetia, oder die Website des Staates Freiburg).

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

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Reziproke Immersion (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.05.2018

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