2 La Semaine de l’allemand: ein Schulprojekt

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Deutsch, auf andere Sprachen übertragbar
Autor Claudine Brohy

Das Unterrichten von fächerspezifischen Lerninhalten in der Zweit- oder Fremdsprache (L2) kann auf sehr unterschiedliche Art und Weise erfolgen. Wer sich nicht gleich an intensive, langfristige Immersionsprojekte wagen will, kann auch bescheidenere Projekte durchführen – in Form von einzelnen Tagen, Wochen oder Projekten, die sich ganz oder teilweise dem Lernen durch die L2 sowie deren Verwendung im Schulalltag widmen.

Teilnahme aller Klassentypen

Genau dies tut in Freiburg eine Schule der unteren Sekundarstufe, der Cycle d’orientation de Sarine-Ouest, mit einer «Semaine de l’allemand», die seit 2012 jedes Jahr auf der Schulagenda steht. Es handelt sich um ein Schulprojekt, das sich an alle Stufen und Klassen der Sekundarstufe I richtet, das heisst an das 9. bis 11. Jahr der obligatorischen Schule. Alle drei Klassenzüge nehmen daran teil: die Leistungszüge mit allgemeinen, erweiterten und progymnasialen Anforderungen. Das Ziel der ersten, 2012 organisierten Woche, bestand darin, die deutsche Sprache für und in den pädagogischen Aktivitäten zu verwenden und verschiedene Facetten der deutschsprachigen Kulturen kennenzulernen. Zudem bot diese Woche den Lehrpersonen die Gelegenheit, ihren Umgang mit dieser Art von Situationen einzuschätzen und den Schülerinnen und Schülern des 10. Schuljahres bei ihrer Entscheidung zu helfen, zwischen dem regulären und dem zweisprachigen Klassenzug der Schule zu wählen.

Sprache und/oder Kultur: flexible Umsetzung

In der Praxis verwenden die Lehrpersonen während der «Semaine de l’allemand» die deutsche Sprache «à la carte»: Sie halten je nach ihren Möglichkeiten eine oder mehrere Unterrichtssequenzen auf Deutsch ab, und dies in allen Fächern mit Ausnahme der Sprachenfächer. Lehrpersonen, die sich auf Deutsch nicht sicher genug fühlen, können auch auf Französisch (die Schulsprache) wissenschaftliche, kulturelle, geografische oder geschichtliche Aspekte zum deutschen Sprachraum behandeln oder Texte auf Deutsch vorlegen und diese auf Französisch besprechen. Die Lehrpersonen sprechen ausserdem in den Pausen und bei der Aufgabenbetreuung möglichst häufig deutsch, und die Cafeteria bietet mit typischen Gerichten kulinarische Ausflüge in die deutschsprachige Welt. In dieser Woche sind die Kompetenzen der zweisprachigen Schülerinnen und Schüler gefragt, die den Lehrpersonen sowie ihren Mitschülern fakultativ helfen. Die «Semaine de l’allemand» ermöglicht somit eine Sensibilisierung für Deutsch, die Verwendung von Deutsch in realistischen Situationen und die Förderung von transversalen Kompetenzen im Sinne des Lehrplans.

Die Eltern werden über die Durchführung dieser Woche informiert. Ihnen wird mitgeteilt, dass das Projekt keinen Einfluss auf die Noten oder die Beförderung ihrer Kinder hat. Gewisse Eltern spielen im Übrigen mit und verwenden Deutsch am Familientisch oder bei anderen familiären Aktivitäten.

Lehrpersonen und Schüler im gleichen Boot

An dieser Schule wird die Woche von der überwiegenden Mehrheit der Schülerinnen und Schüler und der Lehrpersonen geschätzt. Die Organisation erfordert keine zusätzlichen personellen und finanziellen Ressourcen. «Die Woche richtet sich an alle Akteure der Schule und erzeugt dank der Beteiligung an gemeinsamen Projekten eine besondere Dynamik und Stimmung an der Schule. Die meisten Schülerinnen und Schüler nehmen gerne an diesem Projekt teil. Sie sehen ihre Lehrpersonen aus einem neuen Blickwinkel und erleben, dass sich diese auch anstrengen müssen und manchmal Fehler machen. Die Schülerinnen und Schüler sind natürlich stolz, wenn sie die eine oder andere Lehrperson korrigieren oder ihr ein Wort einflüstern können! Die meisten sind auch erstaunt darüber, wie viel sie von den ganzen Lektionen oder von Teilen der Lektionen verstehen, die auf Deutsch abgehalten werden. Den Lehrpersonen bietet eine solche Woche Gelegenheit, interdisziplinäre Projekte zu erarbeiten und etwas Besonderes zu machen.» (Evelyne Brülhart, ehemalige Verantwortliche für Zweisprachigkeit)

Begeisterte Schülerinnen und Schüler für ein anerkanntes Projekt

Der Vorteil eines Schulprojekts liegt auch darin, dass es sich an alle Schülerprofile richtet. «Ich habe in einer Klasse mit allgemeinen Anforderungen Sport auf Deutsch unterrichtet. Am Ende der Woche hatten die Schüler bemerkt, was auf dem Spiel steht, wenn man mehr oder weniger Deutsch versteht und sie hatten das Gefühl, in dieser Woche wirklich Fortschritte gemacht zu haben. Sie baten mich, das Projekt bis Weihnachten weiterzuführen. Das haben wir dann getan» (Vincent Vonlanthen, Stv. Schulleiter und Lehrer).

Das Projekt wurde am Freiburger Tag der Zweisprachigkeit vom 26. September 2015 ausgezeichnet und erhielt das Europäische Sprachensiegel.

Anpassungsmöglichkeiten

  • Als Zielsprachen kommen alle Landesssprachen sowie Englisch oder Migrationssprachen in Frage.

  • Im Sinne eines Versuchsballons kann das Projekt auch auf einen Deutsch-Tag reduziert werden.

  • Es kann ein pluridisziplinäres Thema bestimmt werden (siehe z. B. Der Wald, Brohy 2002)

Weitere «Wochen» zum Entdecken mit unterschiedlichen Modellen:

  • Semaine de la langue et de la culture de la Suisse italienne: + identità: settimana della lingua e cultura della Svizzera italiana

  • Semaine de la langue française et de la francophonie

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

Downloads zum Beispiel

La Semaine de l’allemand: ein Schulprojekt (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 31.10.2017

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