1 Immersive Inseln: das Aargauer Modell

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Französisch, auf andere Sprachen übertragbar
Autorin Claudine Brohy

Eine schrittweise Umsetzung des zweisprachigen Unterrichts

Zwischen dem Sprachunterricht und den sogenannten nichtsprachlichen Fächern gibt es keine scharfe Trennlinie. Inhalte aus Fächern wie Kultur, Geschichte, Geografie, Umwelt oder Wirtschaft sind immer auch Bestandteil des Sprachunterrichts, und umgekehrt werden Sprachkompetenzen auch in nichtsprachlichen Lektionen gefördert, beispielsweise der mündliche und schriftliche Ausdruck, das Verstehen und Verfassen von Texten, die Informationsverarbeitung, das Argumentieren oder die Aneignung von Fachbegriffen. Die Bewertung der Kompetenzen erfolgt jedoch weiterhin meistens in der Grunddisziplin, d. h. es werden Sprachkompetenzen in den Sprachfächern und fächerspezifische Kenntnisse in den nichtsprachlichen Fächern bewertet, wobei die fächerübergreifenden Inhalte in beiden Fällen eine wichtige zusätzliche Funktion erfüllen.

Der Immersions- bzw. zweisprachige Unterricht mit seinen vielfältigen und erweiterbaren Ausprägungen integriert genau diese Fach- und Sprachaspekte. Konsequente zweisprachige Modelle, bei denen genügend viele Stunden in der Zweitsprache unterrichtet und gewisse Fächer fast vollständig und über einen langen Zeitraum in dieser Sprache unterrichtet werden, brauchen eine lange und sorgfältige Vorbereitung.

Eine flexible Art, die Schulsprache sowie die Zweit- oder Fremdsprache und das betreffende Fach zu integrieren, besteht darin, während gewisser Zeiträume zweisprachig zu unterrichten – in Form von zweisprachigen Modulen, Sequenzen oder immersiven Inseln. Diese Inseln, die zu Beginn nur wenige Minuten dauern können, steigern die Motivation der Schülerinnen und Schüler für die Zweit- oder Fremdsprache, aber auch diejenige der Lehrpersonen. Sie bieten die Möglichkeit, sich stärker auf den Inhalt als auf die Form zu konzentrieren, authentische schriftliche und audiovisuelle Unterlagen einzusetzen und die Zusammenarbeit zwischen den Sprachlehrpersonen und den Lehrpersonen anderer Fächer zu fördern. Ausserdem kann damit die Expositionsdauer und die Komplexität des behandelten Stoffes gesteigert werden. Die Schülerinnen und Schüler werden ermutigt, beide Sprachen zu verwenden, um ein Gespür dafür zu entwickeln und Vergleiche zwischen den Sprachen anzustellen. Im Rahmen der Mehrsprachigkeitsdidaktik ist die Didaktik der immersiven Inseln immer häufiger auch ein Thema in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen der Primar- und Sekundarstufe an den pädagogischen Hochschulen und den Universitäten (siehe Kapitel Brücken zwischen Sprachen).

Immersive Inseln im Aargau

Das interdisziplinäre Konzept der immersiven Inseln (oder auch «îlots immersifs») stützt sich auf die Mehrsprachigkeitsdidaktik und die Didaktik des zweisprachigen Unterrichts und kann auf jeder Schulstufe eingesetzt werden. Die Durchführung kann durch einzelne Lehrpersonen im Rahmen von Klassenprojekten oder im Kontext von Schulprojekten erfolgen. Letzteres ist seit dem Schuljahr 2012 der Fall im Rahmen eines Pilotprojekts mit Französisch als Zweitsprache an Aargauer Primar- und Sekundarschulen (cf. Freytag Lauer et al. 2015). Als Fächer wurden Geografie, Mathematik, Bildnerisches Gestalten und Sport gewählt. Das Unterrichten in Form von immersiven Inseln erfordert eine gezielte Vorbereitung und Durchführung bestimmter Phasen. In einem ersten Schritt wählen die Lehrpersonen je nach Lehrplan das Fach, das Thema und verschiedene Sequenzen aus, die sich für den zweisprachigen Unterricht eignen. Sie informieren die Schule und die Eltern und bestimmen eine Motivations- und eine Durchführungsphase für das zweisprachige Projekt (Freytag Lauer et al. 2015: S. 85-86). Möglich ist auch eine vorausgehende Aktivierungsphase in der Schulsprache, um die bereits erworbenen Kompetenzen zu aktivieren und die Verbindung mit der geplanten Sequenz herzustellen. In der Motivationsphase werden hauptsächlich rezeptive Kompetenzen mobilisiert, in der Realisierungsphase auch produktive Kompetenzen.

Die Aargauer Schulen haben entschieden, die Schülerinnen und Schüler nicht mit Noten zu bewerten. Möglich sind jedoch Evaluationsformen für die Fachinhalte, bei denen die Kompetenz in der Fremdsprache eine geringe Rolle spielt, oder Tests in der Schulsprache – was auch den Transfer zwischen den beiden Sprachen gewährleistet. Zur Qualitätssicherung werden bei den îlots immersifs die Haltungen der Schülerinnen und Schüler und ihre Akzeptanz gemessen. Eine überwiegende Mehrheit schätzt den vielfältigen Unterricht und die Möglichkeit, bei wissenschaftlichen, künstlerischen und sportlichen Aktivitäten in der Zweitsprache kommunizieren und handeln zu können.

Eine umfassende Beschreibung des Projekts mit dem Unterrichtsmaterial, Einschätzungen der Lehrpersonen und zahlreichen Beispielen von Klassen auf allen Stufen finden Sie unter www.schulen-aargau.ch.

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

Downloads zum Beispiel

Immersive Inseln: das Aargauer Modell (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.05.2018

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