2 Beurteilungstechniken für den Unterricht

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
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Sprache(n) alle Sprachen
Autorin Laura Loder Büchel

Die Studierenden an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) erhalten im Rahmen eines Moduls über Assessment for Learning (AFL) bei Primar- und Sekundarschülerinnen und -schülern folgende Aufgabe: Sie sollen Classroom Assessment Techniques (CATs) ausprobieren. Diese Auswahl vermittelt einen kleinen Überblick über einige der ermittelten Praktiken, welche die Studierenden nützlich fanden – einige der «Keepers»! AFL geht weit über die unten aufgeführten Anregungen und Ideen hinaus. Diese können aber trotzdem als Inspirationsquelle dienen, um Informationen über die Kompetenzen eines Schülers oder einer Schülerin zu sammeln.

Das Minutenpapier

Beim Minutenpapier erhalten die Schülerinnen und Schüler am Schluss einer Unterrichtsstunde eine Minute Zeit (auch wenn es vielleicht besser wäre, ihnen ein bisschen mehr Zeit als eine Minute zu geben), um auf einige kurzen Fragen zu antworten. Das Gelingen dieser Aktivität hängt von den Fragen der Lehrperson ab, z. B.:

  • Zeige, dass du die heutigen Ziele erreicht hast (Bsp.: Bitte beschreibe jetzt dein Lieblingstier!).

  • Bitte nenne die zwei wichtigsten Dinge aus der heutigen Stunde.

  • Was denkst du: An was aus der heutigen Stunde wirst du dich in zwei Wochen noch erinnern?

  • Was würdest du deinem besten Freund oder deiner besten Freundin von einer anderen Schule über die heutige Stunde erzählen?

  • Wenn du deine Eltern davon überzeugen müsstest, dass du heute etwas gelernt hast, was würdest du ihnen dann sagen?

Indem die Lehrperson das Minutenpapier an den Unterricht anpasst, erfährt sie, was und wie viel die Schülerinnen und Schüler in einer Unterrichtsstunde gelernt haben, was sie interessant fanden oder wie sie allgemein über ein Thema denken. Dies ermöglicht es ihr, weitere didaktische Einheiten zu planen. Diese Technik eignet sich somit für verschiedene Situationen und verschiedene formelle wie auch informelle Zwecke. Als weitere Möglichkeit kann diese Übung am Schluss einer Unterrichtsstunde erfolgen, indem ein Schüler oder eine Schülerin nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wird und in einer Minute auf die gestellte Frage antworten muss. Wenn jede Unterrichtsstunde auf diese Weise endet, wird jeder Schüler und jede Schülerin alle paar Wochen einmal drankommen.

Verwendungsmöglichkeiten für die Benotung
Mittels Klassenliste kann registriert werden, wer das Ziel der Unterrichtsstunde erreicht hat und wer nicht. (Beispiel: Wenn in einer Unterrichtsstunde eine Erzählung behandelt wurde, können die Schülerinnen und Schüler gefragt werden: «Wovon handelt die Erzählung?» Davon lässt sich ableiten, ob sie den neu erworbenen Wortschatz verwenden und ob sie den Hauptinhalt der Erzählung verstanden haben.) Bei regelmässiger Verwendung dieser Technik kann jedem Schüler und jeder Schülerin entweder ein roter Stempel (nicht geschafft) oder ein grüner Stempel (geschafft) abgegeben werden. Diejenigen mit rotem Stempel müssen in der nächsten Stunde während einiger Minuten mit jemandem mit grünem Stempel zusammenarbeiten und werden zu einem späteren Zeitpunkt erneut befragt. Wird ein standardbasiertes Benotungs-Tool verwendet, lässt sich nachweisen, ob das Lernziel erfüllt wurde oder nicht (Beispiel: Die Schülerinnen und Schüler können ganz einfache Mitteilungen und Fragen formulieren [z. B. Einladung, SMS, Notiz]) und somit wird klar, wer eine weitere Chance benötigt, um nachzuweisen, dass er oder sie das Lernziel erfüllt.

Die Zusammenfassung in einem Satz

Die Zusammenfassung in einem Satz kann wie das Minutenpapier am Ende eines Tages oder einer Unterrichtsstunde verwendet werden, oder auch am Ende einer Schreib- oder Höraktivität, ist aber stärker strukturiert als das Minutenpapier (siehe Anhang für die Fragen in mehreren Sprachen).

  • Bei Anfängern oder bei Schülerinnen und Schülern, die Unterstützung brauchen, kann die Frage so gestaltet werden, dass in einem Satz nur ein paar Wörter eingesetzt werden müssen. Beispiele:

    Wenn die Schülerinnen und Schüler ein Lied behandelt haben, könnten sie schreiben: «Das Lied handelt von …… Die neuen Wörter, die ich gelernt habe, sind …..»

    Eine Lektion, in der zwei Arten von Ferien miteinander verglichen werden: _________ und __________ sind ähnlich: Beide ___________. Sie sind unterschiedlich: __________________.

    Eine Lektion über Beschreibungen: Menschen kann man beschreiben als _______________.

    Eine Lektion darüber, wie 3-D-Drucker funktionieren und wozu sie verwendet werden: Mit 3-D-Druckern kann man ____________________ herstellen. Sie werden in ________________________ verwendet.

  • Wenn sich Schülerinnen und Schüler auf der Mittelstufe eine Erzählung angehört haben, können sie aufgefordert werden, folgende Frage zu beantworten: Wer hat was gegenüber wem, wann, wo, wie und warum gemacht?

  • Schülerinnen und Schüler auf der fortgeschrittenen Stufe können ohne Unterstützung eine Zusammenfassung in einem Satz formulieren.

  • Diese Aufgabe kann auch mündlich erfolgen, als «Ausstiegskarte» (exit card): Sobald die Schülerinnen und Schüler ihren Satz gesagt haben, können sie das Klassenzimmer verlassen.

Verwendungsmöglichkeiten für die Benotung
Mit dieser Technik liegt der Schwerpunkt nicht auf dem, was produziert wird, sondern darauf, ob sich die Schülerinnen und Schüler den Unterrichtsinhalt angeeignet haben. In einer Unterrichtsstunde, in der das Hörverständnis im Vordergrund stand, sollte der verfasste Satz Aufschluss darüber geben, ob sie gut zugehört haben. Das Gleiche gilt beim Lesen! Je nachdem, was im Unterricht behandelt wurde, sollte bei der Zusammenfassung weder die Rechtschreibung noch die Schreibkompetenz beurteilt werden (es sei denn, genau dies wäre das Ziel der Unterrichtsstunde gewesen).

Die interaktive Zusammenfassung

Nach dem Lesen eines Textes bilden die Schülerinnen und Schüler Dreiergruppen. Die erste Person fasst den Text jeweils in einem kurzen Satz zusammen und berücksichtigt dabei die Hauptfragen: «Was», «Wer», «Wo», «Warum» und «Wann». Die zweite Person ergänzt danach die Zusammenfassung der ersten Person mit weiteren Details: Was ist genau geschehen und warum? Welche Folgen hatte das? Schliesslich fasst die dritte Person den Text in einem Satz zusammen und baut dabei einige der von der zweiten Person genannten Details ein. Die entstandenen Sätze werden dann in der Klasse miteinander verglichen. Inwiefern unterscheiden sich die Gruppen voneinander? Was ist gleich?

Dies ist eine gute Methode, um die Schülerinnen und Schüler dazu zu bringen, das Wesentliche eines Textes zu erfassen. Sie kann mündlich oder schriftlich angewendet werden. Es macht mehr Spass in der Gruppe, als wenn jeder Schüler und jede Schülerin alleine eine eigene «Zusammenfassung in einem Satz» schreiben muss. So können alle miteinander reden und alle werden einbezogen.

Verwendungsmöglichkeiten für die Benotung
Diese Technik kann auf drei Ebenen zur Beurteilung des Leseverständnisses verwendet werden, wenn sich der Text dazu eignet: Hauptbotschaft, Details und eventuell Schlussfolgerungen. Bei einer Gruppenarbeit ist schwer feststellbar, ob eine einzelne Person die Aufgabe verstanden hat oder nicht. Bei regelmässiger Verwendung der Technik können sich jedoch jedes Mal andere Schülerinnen und Schüler profilieren. Wenn jeder Schüler und jede Schülerin Schritt 2 übernimmt (und nicht nur Schritt 1), hat die Lehrperson ein gutes Instrument, um das Verständnis zu überprüfen. Was das Sprechen angeht, wäre es hier wichtig, den Inhalt und anschliessend weitere Teilkompetenzen (Richtigkeit, Ausdrucksfähigkeit oder Gewandtheit) basierend auf den Erwartungen an die Klasse zu beurteilen.

Downloads zum Beispiel

Beurteilungstechniken für den Unterricht (pdf, mit Anhang)
Anhang (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.05.2018

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