1 Schulpartnerschaft

Stufe
1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
1 (KG) 2 (KG) 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Sprache(n) Deutsch, Französisch
Autorin Mirjam Egli Cuenat

Eine Motivationsspritze durch vielfältige Austauschformen

Die Primar- und Sekundarschulen von Cham (Kanton Zug) und Le Mont-sur-Lausanne sowie Cugy et environs (VD) pflegen seit Jahren den schulischen Austausch in vielfältigen Formen: Die Schülerinnen und Schüler schicken sich Briefe, Videos und podcasts. Es werden Begegnungstage an einem Drittort (z. B. im Tierpark in Bern), Besuche der Partnerklasse im Klassenlager sowie individuelle Austausche auf der Sekundarstufe organisiert. Bereits in der Primarschule besuchen sich die Klassen gegenseitig an ihrem Schulort: Ende der 7. Klasse der obligatorischen Schule kommen die Westschweizer für zwei bis drei Tage nach Cham, Ende der 8. Klasse gehen die Chamer in die Westschweiz. Die Kinder übernachten jeweils bei ihrem Korrespondent, mit dem sie seit Beginn der 7. Klasse in Briefkontakt stehen. SchülerInnen, die nicht mitkommen möchten, besuchen während dieser Zeit den Unterricht in einer andere Klasse, was aber selten vorkommt. Über diese vielfältigen Austauschaktivitäten während mehrerer Jahre können die Schülerinnen und Schüler kontinuierlich ihre Fortschritte im Kompetenzaufbau in der Realität erleben, was ihre Motivation erheblich steigert.

Sprache und Kulturen hautnah und lebendig erleben

Die Chamer Primarlehrerin Monika Gisler hat seit Beginn unzählige Male erlebt, dass schon die Primarschulkinder durch den Austausch realisieren, dass sie eigentlich viel mehr können, als sie meinen. Sie sehen, dass sie sich in einer französisch- resp. deutschsprachigen Umgebung zurechtfinden und verständigen können, z. T. mit Händen und Füssen, und dass sie allein in einer fremden Familie zurechtkommen. In der heutigen Zeit der multikulturellen Klassen erleben sie oft weit mehr als nur die Westschweizer, resp. Deutschschweizer, Kultur und können nebst Sprachlichem auch ihre Sozialkompetenzen erweitern. Punkto Programm haben sich gemeinsame Aktivitäten der beiden Klassen wie z. B. zusammen kochen oder ein Husky-Trecking, wo die beiden Partner jeweils für einen Hund verantwortlich waren, als gewinnbringender herausgestellt als das Absolvieren von Postenläufen. Monika Gisler hat selber während fünf Monaten in Cugy unterrichtet und davon sehr viel profitiert.

Vom Klassenaustausch zum individuellen Austausch

Für den Chamer Sekundarlehrer Peter Schenker, der von der ersten Stunde an dabei war, ist es am befriedigendsten, wenn die Kontakte eine Eigendynamik annehmen: z. B. hatte ich einmal nach einem Wochenende erfahren, dass die Romands hier waren für eine «boum» (Party). Die Jugendlichen sehen durch diese Kontakte, dass es auch im anderen Landesteil Gleichaltrige gibt, die cool sind und die dieselben Anliegen haben wie sie. Sie stürzen sich jeweils auf die Briefe und Videos aus der Westschweiz und wollen sie wirklich verstehen. Auf Grund von positiven Austauscherfahrungen in der Primar- und der Sekundarschule wollen knapp die Hälfte von Peter Schenker SchülerInnen im 2. Jahr der Sekundarstufe I einen individuellen Austausch von einer Woche in der Westschweiz machen. In seinen Augen ist dies die effektivste Form, da die SchülerInnen so den courant normal erfahren und richtig eintauchen können.

Abbau von Schranken und Aufbruch zu neuen Ufern

Annette Donnier, Sekundarlehrerin aus Le-Mont-sur-Lausanne meint ihrerseits: Das Schönste an solchen Begegnungen ist die Feststellung, dass der «Andere» schlussendlich wie wir ist und dass seine Realität auch unsere ist... nur mit anderen sprachlichen Ausdrücken. Wenn ein Schüler oder eine Schülerin nach Hause kommt und sagt, dass er oder sie in den nächsten Ferien mit seinem Korrespondenten oder seiner Korrespondentin eine Woche in den Urlaub fährt, dann sind alle Schranken weg und das Lernen einer anderen Sprache gehört von nun an zur Normalität. Ein Austausch in der obligatorischen Schule ist oft ein Einstieg für spätere Erfahrungen, wie z.B. ein Gymnasial-Schuljahr in einer anderen Sprache – egal welche: Was zählt, ist die Freude und Motivation, in eine neue Kultur einzusteigen und neue Horizonte zu gewinnen. Und gerade in diesem Alter ist das eine Chance zum Erwachsen werden.

Unterstützung durch die Schulleitungen

Alle drei Lehrpersonen sind sich einig: Austauschprogramme wie diese erfordern viel zusätzliches Engagement. Wenn Schulleitungen Austausche ernsthaft fördern wollen, sollten sie den interessierten Lehrpersonen Strukturen und genügend Arbeitszeit zur Verfügung stellen.

Auf Schulebene

Eine langjährige institutionalisierte Partnerschaft bietet einen idealen Rahmen, um den Sprach- und Kulturaustausch zwischen Schulen der Schweizer Sprachregionen zu fördern. Die Partnerschulen von Le Mont-sur-Lausanne, Cham und Cugy et environs haben im Jahr 2002 eine Vereinbarung unterschrieben. Diese hält u.a. das Prinzip der Freiwilligkeit für SchülerInnen und für Lehrpersonen sowie das Anrecht jedes Schülers/jeder Schülerin auf eine Form des Austauschs während der Volksschulzeit fest. Geregelt ist auch das jährliche Treffen des Steuerungskomitees bzw. comité directeur. Nebst einem Budget für Spesen werden die beteiligten Lehrpersonen bei Bedarf für einen Tag freigestellt, um sich zu treffen und gemeinsam vorzubereiten.

Die bibliographischen Angaben finden Sie im Dokument «Was sagt die Forschung dazu».

Downloads zum Beispiel

Langjährige Schulpartnerschaft zwischen der Deutschschweiz (Cham, ZG) und der Suisse romande (Le Mont-sur-Lausanne und Cugy et environs, VD) (pdf)
Was sagt die Forschung dazu (pdf)

Diese Seite in: Français Italiano

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.01.2018

Job